Gedanken zur Woche

Liebe Leserinnen und Leser,

im Sommer gehen die meisten Menschen auf Reisen. Das war auch bei mir so und ich genoss mit meiner Frau jeden Abend

von einer Terrasse aus die Sonnenuntergänge über der Küste Kalabriens in Süditalien. Über der endlos weiten Wasserfläche 

bot sich ein Schauspiel der Farben gelb, orange, hell-und dunkelblau, hellgrau bis schwarz. Und wenn dann der erste Stern am Himmel erschien war dies wie ein Zeichen, dass nun der Übergang vom Abend zur Nacht beginnt.

Auch die Bibel freut sich an diesen Naturphänomenen, die jeden Urlaub zum Traumurlaub machen. In Psalm 19 heißt es:

„Die Himmel erzählen vom Glanz Gottes und die Himmelsfeste verkündet das Werk seiner Hände. Ein Tag sagt es dem anderen

und eine Nacht tut es der anderen kund.“ Die Himmelserscheinungen sprechen also zu uns. Und zwar so, dass auch die Tage und Nächte

es sich gegenseitig weitersagen. Wer schon einmal das Spiel der Wolken vom Flugzeug aus bewunderte oder die Spiegelung der

Abendsonne auf der leicht bewegten Meeresoberfläche, wird sich in diesen Worten einer Spiritualität der Schöpfung 

wiederfinden. Das ist das Schöne an der Urlaubs-und Sommerzeit: Sie schenkt uns Begegnungen mit der Schöpfung in all ihrer

Vielfalt. Sie öffnet unsere Seele und unseren Leib zu der Neuentdeckung, dass die Schöpfung etwas in uns auslöst. Der Film „Bäume“ zeigte

dies, indem er nachwies, dass Bäume auf allen Erdteilen untereinander sprechen und sich austauschen. Hinter all dem können wir Gottes Wirken erahnen. Denn er hat nach der Bibel dies alles am Beginn der Zeiten erschaffen und den Menschen zur Bewahrung anvertraut.

Unsere Heimatstadt Bad Soden und ihre Stadtteile bieten dazu einen reichen Erfahrungsraum: Ob ich beim Schein der 

Morgensonne ins Wasser unseres Freibades eintauche, ob ich am Neuenhainer Friedhof den Blick in die Rhein-Main-Ebene genieße oder 

den Waldweg vom Anglerteich in Bad Soden hinauf nach Altenhain wandere, immer wieder freue ich mich über schattenspendende Bäume, summende Insekten und Wildblumen. Ich empfinde dabei das, was der Urwaldarzt und  Menschenfreund Albert Schweitzer so nannte: „Die 

Ehrfurcht vor dem Leben.“ Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sommer unter Gottes weitem Horizont und  möchte Ihnen dazu Worte aus Paul Gerhardts Sommerlied „Geh aus, mein Herz und suche Freud“ mitgeben:

„Hilf mir und segne meinen Geist mit Segen, der vom Himmel fleußt, dass ich dir stetig blühe; gib, dass der Sommer deiner Gnad in meiner 

Seele früh und spat viel Glaubensfrüchte ziehe.“

 

Ihr Pfarrer Andreas Heidrich